Technik des English Paper Piecing


© Text, Illustrationen, Fotos: Claudia Wollny




Schritt 1: Schablonen mit Stoff beziehen

English Paper Piecing ist eine Handnähtechnik, bei der mit Hilfe von dünnen Pappschablonen kleine Stoffstückchen zusammengenäht werden. Die Pappschablone ist dabei das "fertige Maß". (A) Der Stoff wird (nach Augenmaß) mit 0,5–1 cm rundum größer zugeschnitten als die Pappschablone. (B) Nun wird die Schablone auf die linke Stoffseite gelegt. (C) Die Nahtzugaben werden eng um die Schablone zur Rückseite geklappt und (D) mit einem Heftfaden auf die Schablone geheftet und dadurch fixiert.

TIPP
• Für die Schablonen vorzugsweise eine Papierstärke von 160 g/m² verwenden.
• Eine Zuschneideschablone braucht ihr nicht! Die macht mehr Arbeit, als dass sie nützt! Die Schablone wird direkt auf den Stoff geheftet und die Nahtzugabe wird beim Ausschneiden nach Augenmaß hinzugegeben. Das ist schon alles! Wichtig ist nur, dass die Papierschablone, auf die ihr heftet, exakt ist. Aber dafür gibt es ja die Schablonen zum Ausdrucken.
• Zum Heften Reih- oder Heftgarn verwenden. Das ist etwas lockerer gedreht als normaler Nähfaden und rutscht nicht so leicht zurück.
• Schablone mit einer kleinen Stecknadel auf dem Stoff fixieren, damit sie während des Beziehens nicht verrutscht.
• In den Anfang des Heftfadens ein kleines Knötchen machen und von der Vorderseite her durchstechen (siehe roten Pfeil in der Zeichnung). Somit kann der Heftfaden später bequem von der Vorderseite wieder herausgezogen werden.
• In das Ende des Heftfadens keinen Knoten machen. Das Ende kann auf Vorder- oder Rückseite liegen.

(E–F) Bei spitzen Winkeln unter 90° ragt die Nahtzugabe über die Schablone hinaus. "Versteckt" sie jedoch nicht hinter der Schablone. Sie kann beim Zusammennähen (I–J) beiseite gestrichen werden.


Schritt 2: Bezogene Schablonen aneinandernähen

Im nächsten Schritt werden die bezogenen Schablonen nach und nach aneinandergenäht. (G, I) Dafür die Schbalonen zunächst nebeneinanderlegen, um herauszufinden, welche Kanten aneinandergenäht werden sollen. (H, J) Dann die beiden Schablonen rechts auf recht übereinanderlegen und die entsprechenden Kanten mit feinen Überwendlichstichen zusammennähen. Dabei darauf achten, nur durch den Stoff zu nähen und nicht durch die Schablone (die ja später wieder entfernt werden soll).


TIPP
• Zum Zusammennähen nur besten Nähfaden verwenden, also ein Quilt-Handnähgarn, vorzugsweise ein Poly-Cotton-Gemisch, da dieses elastischer ist als ein reiner Baumwollfaden.
• Als Nähnadel verwende ich eine Quiltnadel Betweens Nr. 9.
• Den Anfang des Nähfadens zwischen Schablone und Nahtzugabe zum gewünschten Ausstichpunkt hindurchstechen (siehe roten Pfeil in Zeichnung H). Somit ist der Fadenanfang etwas fixiert und stört beim weiteren Nähen nicht. Zum Schluss das Ende des Nähfadens wieder zwischen Nahtzugabe und Schablone "verstecken".
• Am Anfang und Ende jeder Kante einen kleinen Knoten machen (Faden einmal durch die enstehende Schlaufe ziehen). Somit sind auch die Ecken gut aufeinander fixiert, und es können dort später keine "Löcher" entstehen, durch die das Vlies hindurchschimmern kann.
• Prinzipiell ist man beim Zusammensetzen nicht an eine bestimmte Reihenfolge gebunden (so wie beim Nähen mit der Nähmaschine). Allerdings ist es sinnvoll, kleinere Mustereinheiten zu größeren zusammenzusetzen, bis man die Fläche vollständig zusammengefügt hat.
• Vor allem bei Formen mit schmalen Spitzen (z. B. schmale Kreissegmente, schmale Rauten) ist es sinnvoll, die bezogenen Schablonen bereits vor dem Zusammennähen zu bügeln, um die Spitze zu fixieren. Desto genauer wird das Ergebnis. Die Mühe lohnt sich!
• Bei English Paper Piecing gibt es eine Y-Naht nach der anderen ... Um die Kanten jeweils exakt zusammennähen zu können, könnt ihr die Schablone bedenkenlos so verbiegen, damit die entsprechenden Kanten exakt übereinanderliegen. Hilfreich ist dabei ein kleiner Buchbinder-Clip, der die Schablonen festhält (siehe Foto).
• Auch für lange Kanten sind Buchbinder-Clips (auch Papierklemmen genannt) hilfreich. Es gibt sie in vielen Größen. Hier braucht man nur die ganz kleinen).



Schritt 3: Schablonen entfernen

Immer wenn eine Schablone an allen Kanten "umnäht" ist (siehe rotes Kreuz in Zeichnung K), kann sie entfernt werden. Dafür wird zunächst der Heftfaden entfernt, die Schablone ist dann frei und kann herausgenommen und weiterverwendet werden – insofern sie noch stabil genug ist.

TIPP
• Bevor der Heftfaden gelöst und die Schablone entfernt wird, sollte das Teil von beiden Seiten mit Dampf gebügelt werden (aber nicht "schieben"). Dadurch wird die Form fixiert. Wenn ihr nicht bügelt, kann sich das Teil beim späteren Bügeln stark verziehen, was sich nur sehr schwer wieder rückgängig machen lässt – wäre doch schade.
• Ich entferne nicht immer sofort alle innenliegenden Schablonen, sondern setze meist erst ein Musterteil / einen Block zusammen. Zwischendurch bügele ich das Teil aber trotzdem von Vorder- und Rückseite. Der Vorteil dabei ist, dass man dann auch nach und nach die Nahtzugaben auf der Rückseite besser "sortieren" kann. Spätestens, wenn das Teil zu sperrig wird, um weitere Schablonen anzufügen, sollten Schablonen entfernt werden.



Noch mehr zur Technik, viele Muster und Schablonen findet ihr in meinem Buch "English Paper Piecing" (ISBN 978-3-8410-6081-5), das im OZ-Verlag unter meinem Mädchennamen (Claudia Schmidt) erschienen ist und ihr im Buchhandel beziehen könnt.
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